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Foto: BNN

Frau Kirsten Etzold schrieb in der BNN:
Im Trommelwirbel siegt die Konzentration
Gruppe hilft Kindern mit „Zappelphilipp“-Syndrom
Auf dem dunkelroten Teppichboden schiebt sich Valentin Fahrer auf Knien an sein blaues Plastikfass heran, schwingt die Trommelstöcke und lässt einen ersten, donnernden Wirbel hören. Hoch konzentriert geht der Zwölfjährige aus Kleinsteinbach zur Sache zwischen den drei Erwachsenen, die das Quartett dieses Abends vervollständigen – der Gruppenleiter Ottschke Hemmerlein aus Karlsruhe, der 23- jährige Dominik „Dedo“ Lehmann aus Ittersbach sowie ein Medienpädagoge, der auch Toningenieur ist und den schallisolierten Proberaum im Keller des Gründerzentrums in der Seboldstraße in Durlach vermittelt hat. Während Valentin, der Sechstklässler, seiner umfunktionierten Wassertonne den nächsten Trommelwirbel entlockt, käme kein Betrachter auf die Idee, dass es dem Blondschopf an etwas mangeln könnte.

Doch es sind Konzentrationsschwäche und mangelnde Aufmerksamkeit, die ihn und auch „Dedo“ in die Gruppe bringen – eine Trommelgruppe für junge Menschen mit ADS oder ADHS, dem so genannten „Zappelphilipp“- Syndrom (siehe auch Stichwort). „Was wissen wir über ADS- oder ADHS–Kinder?“, fragt Ottschke Hemmerlein, der bei indianischen Schamanen ausgebildet wurde und Jahre als Mönch in buddhistischen Klöstern verbrachte. Aufgrund von Erfahrungen in seiner Praxis für Geistiges Heilen in Aue hat er das freizeitpädagogische Trommeln entwickelt.

Betroffene hätten wenig Bezug nach außen und lebten in einer eigenen Welt, erklärt er. Nach Schätzungen sind in Industrieländern zwischen fünf und 20 Prozent aller Kinder betroffen. Das Phänomen wird erst in jüngerer Zeit verstärkt erforscht – als berühmte frühe „Vertreter“ gelten die traurigen Helden des „Struwwelpeter“, neben dem Zappelphilipp auch Hans-guck-in-die- Luft und Paulinchen. Beim gemeinsamen Trommeln nähmen Kinder mit ADS und ADHS ihren Körper positiv wahr und machten die Erfahrung, sich auch in einer sozialen Struktur kraftvoll und gut zu fühlen, sagt Hemmerlein.

Harmonie und Dissonanz, Konkurrenz und Zusammenspiel – alles habe in der Runde seinen Platz. „Das Trommeln wirkt wie ein Auf und Ab von Wellen, die von den unterschiedlichen Mitspielern erzeugt werden“, so Hemmerlein. Für sein Konzept bemüht er sich auch um einen Zuschuss der Stadt. „Manchmal trommeln wir 80 Minuten lang ohne Pause, weil keiner bemerkt, wie die Zeit vergeht“, erzählt der Gruppenleiter. Die gleichmäßig treibenden Schläge könnten einen Zustand bewirken, der einer Trance ähnelt. Alle 14 Tage treffen sich die Teilnehmer, die Besetzung wechselt.

Jetzt scheint die Luft im Raum zu vibrieren. Wie bei einem „Stomp“-Konzert dröhnen Bässe, klingen metallische Nuancen auf, helle und dunkle Klänge, je nachdem, ob Sticks den Tonnenbauch oder die Kante treffen. „Dedo“ ist Spezialist für hohe, schnelle Triller. Valentin experimentiert, kriecht in seine Tonne und entlockt ihr dort leisere Töne. Alles bleibt hörbar im Klangteppich, sogar das Klatschen seiner Handflächen. Noch einmal legen die Trommler mächtig zu, dann bremst Hemmerlein den Rhythmus, lässt die letzten Töne einzeln tropfen. Dann senken alle die Stöcke. „Und?“, fragt der Gruppenleiter lächelnd. „Gut“, ist die lapidare Antwort.

Junge Leute mit ADS antworten übrigens nicht unbedingt, bloß weil jemand sie etwas fragt. Und noch seltener antworten sie „gut“.

Stichwort ADS und ADHS
ADS steht für Aufmerksamkeitsdefizit- Syndrom, ADHS ist die Abkürzung für eine Kombination von Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität, eine gesteigerte motorische Unruhe. Schon vom Babyalter an zeigen sich die Störungen, oft verbunden mit großer Impulsivität, Konzentrationsschwierigkeiten und eingeschränkten sozialen Fähigkeiten. Betroffene Kinder fallen als „Zappelphilipp“ auf – oder als Träumer, die ihre Umwelt wenig wahrzunehmen scheinen. Daraus resultieren Probleme in der Schule – trotz oft hoher Intelligenz – sowie im Umgang mit Gleichaltrigen, auch bei der Freizeitgestaltung. ke